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Der Campus im Frühling.

Foto: Universität Paderborn, Kamil Glabica.

TP 1.3 Partialisierung und Entgrenzung der Arbeitswelt am Beispiel Crowdwork

Hintergrund
Das Vorhaben ist ein Teilprojekt im Forschungsgebiet „Disruptive Veränderung von Arbeitsprozessen: Partialisierung und Crowdworking“ des Forschungsschwerpunkts „Digitale Zukunft“. Crowdworking ist eine neue Form der Arbeitsorganisation, bei der über eine Online-Plattform Arbeitsaufgaben anhand eines offenen Aufrufs an eine heterogene Gruppe – die Crowd – vergeben werden. Die Auswirkungen von Crowdworking auf die Arbeitsgestaltung durch die Arbeitgeber sowie die Lebensgestaltung der Arbeitnehmer werden aus der Sicht verschiedener Disziplinen untersucht. Dadurch sollen die Gestaltungsmöglichkeiten digitalisierter Arbeitsprozesse erkannt und hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken bewertet werden können.

Es gibt bisher keine umfassende Untersuchung von Crowdwork unter arbeitsanalytischen Gesichtspunkten, z.B. zur Wirkung dieser Tätigkeitsform auf die einzelnen Crowdworker im Hinblick auf Belastung und Beanspruchung, Wohlbefinden und (Arbeits-) Zufriedenheit. Eine Besonderheit des Crowdworking ist die Partialisierung der Arbeitsaufgaben in sogenannte Microtasks. Gerade im Hinblick auf diese Partialisierung bleibt unklar, wie Crowdwork unter arbeitsanalytischen Merkmalen zu bewerten ist. Im Projekt sollen die klassischen Instrumente der Arbeitsanalyse für diesen Zweck erweitert werden.

Ziel des Vorhabens
Das Ziel des Projekts ist es, auf der Mikroebene, d.h. auf der Ebene der Beschäftigten, die Auswirkungen von Crowdworking zu untersuchen, um so Gestaltungsempfehlungen für Unternehmen, Systementwickler und die Politik abzuleiten. Zunächst wird dafür ein arbeitspsychologisches Messinstrument entwickelt. So können die Beanspruchungen und Belastungen von Crowdworkern genauer spezifiziert werden, um erforderliche situative, soziale und persönliche Ressourcen zur Bewältigung der Beanspruchung zu ermitteln. Im Rahmen einer Tagebuchstudie kann der Tagesablauf von Crowdworkern mit konventionellen Beschäftigungen verglichen werden. Durch den Vergleich können arbeitsgestalterische Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Beschäftigungsformen diagnostiziert werden. Dieses Vorgehen ermöglicht weiterhin die Auswirkungen klassischer Kriterien der Arbeitsgestaltung, z.B. soziale Eingebundenheit, Aufgabenvielfalt und -komplexität oder die Ganzheitlichkeit von Aufgaben, auf Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitsleistung zu untersuchen, um so moderne, flexible Arbeitskonzepte ableiten zu können. Das Instrument soll auch dazu genutzt werden können, Aufgabenverteilungen innerhalb von Organisationen zu unterstützen, indem die auf einzelne Aufgaben bezogenen Merkmale der Arbeitsgestaltung auf einen breiteren Arbeitskontext übertragen werden.

Methoden und Interdisziplinarität
In einer ersten Studie soll aus bestehenden Arbeitsanalyseverfahren ein Messinstrument abgeleitet und validiert werden, mit dem über einen Mehrebenenansatz bei Beschäftigten jede Aufgabe qualifiziert gemessen und deren Auswirkungen untersucht werden können. Außerdem sollen durch intraindividuelle Messungen erfasst werden, in welchem Verhältnis einzelne Aufgaben zur Gesamtheit der Crowdworkaufgaben eines Individuums stehen, sowie zu seiner Haupterwerbstätigkeit und Freizeit. Mit Mehrebenenmodellen werden hierarchisch strukturierte bzw. gruppierte Daten analysiert. So kann z.B. ein Crowdworker als Nebentätigkeit verschiedene Aufgaben auf einer Crowdworking-Plattform bearbeiten, gleichzeitig aber einer hauptberuflichen Tätigkeit nachgehen, zu der andere Aufgaben gehören. Das Messinstrument wird in weiteren Studien während des Projektverlaufs optimiert und zum Vergleich von klassischen und modernen Arbeitsmethoden genutzt.

Das Teilprojekt ist im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie angesiedelt, jedoch eng mit den parallelen Arbeiten im Bereich der Soziologie und Wirtschaftswissenschaften verbunden. Es knüpft außerdem an die Projekte der Informatik an.

Ansprechpersonen

Prof. Dr. Günter Maier
E-Mail: ao-psychologie(at)uni-bielefeld(dot)de

Julian Schulte
E-Mail: julian.schulte(at)uni-bielefeld(dot)de

Katharina Schlicher
E-Mail: katharina.schlicher(at)uni-bielefeld(dot)de

Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Arbeitseinheit Arbeits- und Organisationspsychologie

Die Universität der Informationsgesellschaft